Stetten ob Rottweil

ist ein Ortsteil von Zimmern ob Rottweil im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg.

Stetten liegt am Ostrand des Schwarzwalds im Tal der Eschach

 

Höhe: 631 m ü. NN
Fläche: 6,99 km²[1]
Einwohner: 682 (30. Sep. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. September 1973
Postleitzahl: 78658
Vorwahl: 07403

 

zum Wappen: In gespaltenem Schild vorne in Blau eine bewurzelte goldene Tanne, hinten in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt.                (Quelle: Wikipedia)

 

GESCHICHTE

 

Grabfunde belegen, dass bereits 2000 v. Chr. das Eschachtal besiedelt war. Urkundlich wird Stetten erstmals im Jahre 882 erwähnt, als am 10. Mai 882 ein Tunno seine Güter in Dietingen gegen das Kloster St. Gallen Besitz allhier vertauschte. Dass Stetten jedoch eine ältere Wohn-siedlung gewesen sein muss, ergibt der Beweis, dass im Jahre 1872 beim Ausbau der Straße nach Zimmern ob Rottweil, Alemannengräber gefunden wurden.

 

Der Name "Stetten" ergründet sich aus dem alt-deutschen Wort "stat", also wo Wandernde zum Stehen kommen, also Siedlung. Stetten ist wie bei vielen anderen Orten alter Klostergrund. Die Geschichte zeigt, dass im 12. Jahrhundert zwei Päpste Stetten huldigten. Im Jahre 1139 bestätigte Papst Innozenz II dem Kloster St. Georgen ebenfalls hiesigen Besitz mit der "Villa Stetten" und wurden unter seinen Schutz gestellt. Nachweislich hatte Stetten schon im 12. Jahrhundert eine eigene Kirche. Im Jahre 1275 besaßen die Augustinerbrüder vom Spital in Rottweil einen Hof in Stetten und wurden von Papst Gregor X. in diesem Besitz geschützt.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erscheint der Ort im Besitz der Herren von Falkenstein, die in Schramberg ihren Sitz hatten. Jedoch wird im selben Jahrhundert Stetten mit der wohlhabenden Familie Bock von Rottweil in Verbindung gebracht. Die Familie Bock blieb aber kein ganzes Jahrhundert im Besitz von Stetten.Im Jahre 1445 ging der Ort an Geschlecht wohl-habenden Schappel aus Aldingen über, die aber schon bald das Bürgerrecht von Rottweil erlangten. Durch die Vermählung des letzten Nachkommen des Geschlechts Schappel, einer Ursula Schappel mit Johannes Ifflinger von Granegg, ging Stetten in den Besitz der Herren von Granegg. 1598 verkaufte Hans Georg Ifflinger verschiedenen Besitz, darunter auch Stetten, an die Stadt Rottweil. Im Jahre 1665 entstand aber zwischen der Ritter-schaft, welcher die Ifflinger angehörten und der Stadt Rottweil ein Streit wegen des Steuerrechts, der durch den Bischof in Konstanz im Jahre 1688 beigelegt wurde.

 

Es bestehen keine Überlieferungen, inwieweit Stetten unter den Raubzügen Ludwigs des XIV. gelitten hat. Vermutlich aber ist das Dorf von Plünderungen der französischen Truppen im Raum Dunningen und Zimmern nicht verschont geblieben. Wörtlich ist uns aus dem Jahre 1707 überliefert: "Wegen erfolgter Feindesgefahr und zur Sicherung der 'Heiligenfrüchte' wurde in Rottweil eine Kammer gemietet". Kriege, Not und Elend zeichneten vielfach diese Zeit. Durch die Zugehörigkeit zur Reichsstadt Rottweil bis 1803 war Stetten in den Ritterkanton Neckar-Schwarzwald inkorporiert.

 

Laut Angaben des Königlich statistisch-topografischen Bureaus Württembergs war Stetten 1875 eine Gemeinde 3. Klasse mit 403 Einwohnern, die ihre Haupterwerbsquellen in Feldbau und Viehzucht fanden, während die Gewerbe nur den örtlichen Bedürfnissen dienten.Im Jahre 1809 wurde Stetten wieder von der Stadt Rottweil getrennt und selbständige Gemeinde. Anfang des 20. Jahrhunderts verfasste der Dichter und Schriftsteller Anton vom Kocher (eigentlich Anton Grimm) die Stettener Heimatschrift „Das Dörflein im Tal“ und das Gedicht „Heimatklänge“.

1908 wurde der Zweckverband Eschachwasserversorgung gegründet, dessen Wasserwerk in Stetten steht. Ungefähr 10.000 Einwohner aus Flözlingen, Hausen, Herrenzimmern, Hochwald, Lackendorf, Stetten, Villingendorf und Zimmern beziehen ihr Wasser aus Stetten. Zwei Jahre später wurde eine neue Wasserleitung in Betrieb genommen. Bei den Bauarbeiten wurden erstmals Italiener als Gastarbeiter beschäftigt. Im Juni 1913 wurde der Ort an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.

 

 

 

Im Ersten Weltkrieg wurden zunächst 4 und später insgesamt 25 Soldaten aus Stetten einberufen, außerdem mussten Pferde abgegeben werden. 10 Männer starben. 14 Kriegsgefangene befinden sich in Stetten zum Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft. Viele Stettener waren während des Krieges in der Pulverfabrik Rottweil des Unternehmers Max Duttenhofer beschäftigt.Im Zweiten Weltkrieg starben 19 Männer aus Stetten, 13 weitere blieben vermisst.

1963 wurde durch ein neues Schulgesetz die Volks- durch die Hauptschule abgelöst. Jugendliche aus Flözlingen, Horgen, Lackendorf und Stetten besuchten danach die Hauptschule in Stetten. Das neue Schulgebäude auf dem Stumpen wurde am 10. November 1965 bezogen. Zum Schuljahresbeginn 1971/72 wurde die Hauptschule aufgelöst, in Stetten wurde eine Nachbarschaftsgrundschule eingerichtet.

 

Nach 169 Jahren Selbstständigkeit wurde Stetten 1973 im Rahmen der Baden-Württembergischen Gemeindereform zu einem Ortsteil der Gesamtgemeinde Zimmern ob Rottweil mit den Ortsteilen Zimmern, Horgen, Flözlingen und Stetten.Zwölf Bürgermeister leiteten bis zur Eingemeindung nach Zimmern die Geschicke der Gemeinde. Vorhergehende Bestrebungen, eine selbstständige Eschachgemeinde aus den Orten Flözlingen, Lackendorf und Stetten zu bilden, hatten keinen Erfolg.Im Eingliederungsvertrag wurde Stetten unter anderem die Wahrung der Eigenart, die Erhaltung der Landschaft und die Förderung der Landwirtschaft zugesichert. Die Mitbestimmung auf Gemeindeebene bleibt durch Einführung der Ortschaftsverfassung bzw. der unechten Teilortswahl gewährleistet.